M+E-Tarifrunde 2012 - EUV: „6,5 Prozent sind für uns nicht nachvollziehbar“
Der Essener Unternehmensverband (EUV) kritisiert die Forderungsempfehlung der IG Metall nach einer Tariferhöhung um 6,5 Prozent. „In dieser Höhe ist die Forderung für uns nicht nachvollziehbar“, erklärte EUV-Hauptgeschäftsführer Ulrich Kanders am heutigen Dienstag, nachdem der IG Metall-Vorstand seine Forderungsempfehlung bekanntgab. „Die Gewerkschaft kann maximal 3 Prozent mit wirtschaftlichen Kennziffern begründen. Für die restlichen 3,5 Prozent gibt es keine belastbare Grundlage.“ Die Entgeltpolitik dürfe sich nicht am kurzfristigen Auf und Ab der Konjunktur orientieren, sondern müsse einer für beide Seiten verlässlichen und langfristig tragbaren Linie folgen, sagte Kanders. Von den rund 300 Mitgliedsfirmen des Essener Unternehmensverbandes wenden gut 80 Betriebe mit insgesamt mehr als 10.000 Beschäftigten die Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie an.
„Die Metall- und Elektro-Industrie hat ihre Mitarbeiter immer fair bedient – nicht nur in der Krise, sondern auch im Aufholprozess danach“, so Kanders weiter. Die Tabellenentgelte wurden 2008 um 1,7 Prozent, 2009 um 4,2 Prozent und 2011 um 2,7 Prozent erhöht – tarifliche Einmalzahlungen von mehr als 1.000 Euro sowie freiwillige betriebliche Prämien und Bonuszahlungen kommen noch hinzu.
Während die M+E-Produktion erst im Herbst 2011 wieder das Vorkrisenniveau von 2008 erreicht habe, seien die Tabellenentgelte seither um 9 Prozent gestiegen – bei einer gleichzeitigen Zunahme der Verbraucherpreise nur um 6,5 Prozent. „Die M+E-Mitarbeiter haben also ein spürbares reales Plus in der Tasche“, erklärte Kanders. „Das ist, zusammen mit der Sicherung von mehr als 800.000 Arbeitsplätzen während der Krise, ein Erfolg, den man nicht kleinreden sollte.“ Die Metall- und Elektro-Industrie beschäftigt derzeit mehr als 3,6 Millionen Mitarbeiter. Der Durchschnittsverdienst betrug im vergangenen Jahr rund 48.000 Euro. Für das laufende Jahr erwartet der Arbeitgeberverband Gesamtmetall eine deutliche Abschwächung des Produktionswachstums auf höchstens 4 Prozent, nach 13 Prozent in 2011.
In unsicheren Zeiten mit hoher Volatilität sei es Aufgabe der Tarifparteien, Betriebe und Arbeitsplätze zukunftsfester zu machen und gegen neue Krisen zu wappnen. Die bestehende Flexibilität der Unternehmen dürfe deshalb nicht eingeschränkt, sondern müsse eher noch ausgebaut werden. „Mit einer Begrenzung der Zeitarbeit und einer unbefristeten Übernahmepflicht für alle Auszubildenden würden wir der M+E-Industrie einen Bärendienst erweisen“, mahnte Kanders. „Dann würden die Betriebe weniger beweglich, Arbeitsplätze weniger sicher und Ausbildungschancen für Schwächere geringer. Das ist das Gegenteil dessen, was wir brauchen.“
Übernahme Ausgebildeter ist bereits gelebte Praxis in Essener Unterhemen
Die Forderung der IG Metall nach einer unbefristeten Zwangsübernahme aller Auszubildenden sei weder notwendig noch zweckmäßig – und zudem mit der gleichzeitig erhobenen Forderung nach mehr Engagement für schwächere Jugendliche nicht vereinbar.
Für seinen Wunsch, die Entscheidungshoheit über die unbefristete Übernahme in den Unternehmen zu belassen, bekommt der EUV Bestätigung aus seinen Mitgliedsfirmen: „Wir bilden unter anderem Zerspanungsmechaniker, Mechatroniker, Produktdesigner und Industriekaufleute aus. Das sind Fachkräfte, die händeringend gesucht werden. Wir bilden mehr dieser Fachleute aus, als wir selbst benötigen, da wir die Verantwortung für junge Menschen ernst nehmen. Wir setzen auf unseren eigenen Nachwuchs und je nach Wirtschaftslage übernehmen wir in manchen Jahren alle, die ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Die Entscheidung dafür muss aber weiterhin im Unternehmen liegen. Wenn der Tarifvertrag uns dies künftig vorschreibt, werden wir die Überbedarf-Ausbildung überdenken“, so Rolf Geide, Geschäftsführer bei Cantec GmbH & Co. KG in Essen, einem weltweit führenden Anlagenbauer für Maschinen zur Produktion von Konservendosen.
„Die Azubi-Übername muss weiterhin bedarfsgerecht erfolgen“, so Ulrich Kanders. Er gibt zu bedenken, dass es für tarifgebundene Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie bereits seit mehr als zehn Jahren eine bewährte Übernahme-Regelung gibt: „Ausgebildete werden zunächst für ein Jahr im Betrieb weiterbeschäftigt. Das ist bereits tarifvertraglich festgelegt. Für die Mitarbeiter, die sich in der Praxis bewähren, mündet dies in der Regel in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.“
Infos zur M+E-Tarifrunde finden Sie unter www.gemeinsam-kurs-halten.de.
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