M+E-Tarifrunde 2012 - EUV: „Keine leichtfertigen Forderungen aufstellen“
Essen. Der Essener Unternehmensverband (EUV) kritisiert die Forderungen aus einigen Bezirken der IG Metall nach Einkommenserhöhungen um bis zu 6,5 Prozent als leichtfertig. Damit entferne sich die Gewerkschaft vom erfolgreichen gemeinsamen Kurs während der Krise und riskiere eine Gefährdung der Betriebe in unsicheren Zeiten, warnte EUV-Hauptgeschäftsführer Ulrich Kanders anlässlich des Beginns der Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie. Von einem Nachholbedarf könne keine Rede sein. „In den Krisenjahren 2009 und 2010 hätten wir sogar Lohnsenkungen erwarten und verlangen können. Dies wäre aber ein unzumutbarer Bruch mit einer verlässlichen Linie gewesen", sagte Kanders und mahnte: „Dasselbe gilt in die andere Richtung." Voraussetzung für Tarifverträge und Tarifbindung sei der Erhalt des Betriebsfriedens nach Vertragsabschluss. „Wenn dieser zur Beliebigkeit verkommt, braucht es keine Tarifverträge mehr. Deshalb müssen wir gemeinsam Kurs halten."
Das wirtschaftliche Umfeld sei immer weniger kalkulierbar, erklärte Kanders. Viele Krisenherde (wie die Finanz- und Staatsschuldenkrise) seien nur überdeckt, aber nicht geheilt worden. Sie könnten jederzeit wieder aufbrechen. Aufgabe der Tarifparteien sei es deshalb, die Betriebe und deren Arbeitsplätze krisensicherer zu machen. „Wir müssen unseren Betrieben ihre finanziellen Handlungsspielräume erhalten, und wir müssen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bewahren."
In diesem Zusammenhang bezeichnete Kanders die Zeitarbeit als unverzichtbar. „In einer immer volatileren Welt sichert sie Arbeitsplätze in Deutschland, integriert Hunderttausende in den Arbeitsprozess. Wenn es ein solches Instrument nicht gäbe, müsste man es erfinden." Die von der IG Metall zusätzlich geforderte Ausweitung der Mitbestimmung über Zeitarbeit sei „nicht einsichtig, schädlich und deshalb inakzeptabel", so Ulrich Kanders weiter. Die vorhandenen gesetzlichen Regelungen aus Betriebsverfassung und Rechtsprechung deckten die Mitbestimmungserfordernisse vollständig ab.
Die Tarifparteien der Zeitarbeit, die derzeit über eine Annäherung der Verdienste von Zeitarbeitern und Stammbelegschaften verhandeln, mahnte Kanders, „auf dem Teppich zu bleiben": Falls die Kosten zu stark stiegen, werde dies „speziell im Bereich von geringer Qualifizierten viele Arbeitsplätze kosten." Eine völlige Verdrängung der Zeitarbeit hätte erhebliche Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland, so Kanders. „Das wäre eine Art Amoklauf wirtschaftlicher und sozialer Unvernunft."
Übernahme Ausgebildeter ist bereits gelebte Praxis in Essener Unterhemen
Die Forderung der IG Metall nach einer unbefristeten Zwangsübernahme aller Auszubildenden sei weder notwendig noch zweckmäßig – und zudem mit der gleichzeitig erhobenen Forderung nach mehr Engagement für schwächere Jugendliche nicht vereinbar.
Für seinen Wunsch, die Entscheidungshoheit über die unbefristete Übernahme in den Unternehmen zu belassen, bekommt der EUV Bestätigung aus seinen Mitgliedsfirmen: „Wir bilden unter anderem Zerspanungsmechaniker, Mechatroniker, Produktdesigner und Industriekaufleute aus. Das sind Fachkräfte, die händeringend gesucht werden. Wir bilden mehr dieser Fachleute aus, als wir selbst benötigen, da wir die Verantwortung für junge Menschen ernst nehmen. Wir setzen auf unseren eigenen Nachwuchs und je nach Wirtschaftslage übernehmen wir in manchen Jahren alle, die ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Die Entscheidung dafür muss aber weiterhin im Unternehmen liegen. Wenn der Tarifvertrag uns dies künftig vorschreibt, werden wir die Überbedarf-Ausbildung überdenken“, so Rolf Geide, Geschäftsführer bei Cantec GmbH & Co. KG in Essen, einem weltweit führenden Anlagenbauer für Maschinen zur Produktion von Konservendosen.
„Die Azubi-Übername muss weiterhin bedarfsgerecht erfolgen“, so Ulrich Kanders. Er gibt zu bedenken, dass es für tarifgebundene Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie bereits seit mehr als zehn Jahren eine bewährte Übernahme-Regelung gibt: „Ausgebildete werden zunächst für ein Jahr im Betrieb weiterbeschäftigt. Das ist bereits tarifvertraglich festgelegt. Für die Mitarbeiter, die sich in der Praxis bewähren, mündet dies in der Regel in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.“
Infos zur M+E-Tarifrunde finden Sie unter www.gemeinsam-kurs-halten.de.
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