Grippesaison

27.11.2017 EUV klärt auf, was im Krankheitsfall zu beachten ist

Essen. Die dunkle und nass-kalte Jahreszeit bringt nicht selten Schnupfen, Husten und Fieber mit sich. Fehlzeiten durch krankheitsbedingte Ausfälle im Betrieb sind in diesen Wochen und Monaten vorprogrammiert. Saisonbedingt steigt der Krankenstand ab Herbst immer an. Der erkrankte Arbeitnehmer muss im Krankheitsfall einige Regeln beachten. Rechtsanwalt Ulrich Kanders, Hauptgeschäftsführer beim Essener Unternehmensverband, klärt auf und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Rechtsanwalt Kanders: „Im Krankheitsfall muss der Arbeitgeber unverzüglich informiert werden. Unverzüglich heißt hier am ersten Tag der Erkrankung und zwar vor oder zu Arbeitsbeginn. Am besten greift man kurz zum Telefon und meldet sich krank. Alternativ kann man auch eine E-Mail oder eine SMS schreiben. Falls der Beschäftigte das Gefühl hat, einen Tag auskurieren reicht zur Genesung nicht aus, dann sollte er direkt zum Arzt gehen und sich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen lassen. Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit muss umgehend an den Arbeitgeber übermittelt werden. Die Art der Erkrankung muss allerdings nur in Ausnahmefällen mitgeteilt werden, zum Beispiel bei Ansteckungsgefahr für die anderen Mitarbeiter. Verlängert sich die Arbeitsunfähigkeit über die Krankschreibung hinaus, muss unverzüglich ein neues Attest vorgelegt werden.

Die Unternehmen haben häufig eine eigene Regelung am wievielten Tag der Erkrankung ein Attest vom Arzt vorliegen muss. Dies ist meistens im Arbeitsvertrag festgeschrieben. Ansonsten gilt gesetzlich die Vier-Tage-Regelung. Am vierten Krankheitstag wird dann eine
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung benötigt.

Nun hängt es von der Art der Erkrankung ab, wie man sich am besten verhält. Grundsätzlich gilt: Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, alles für eine schnelle Genesung zu tun, um zügig an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Dazu zählt jedoch nicht, dass man 24-Stunden das Bett hüten muss. Besorgungen des täglichen Bedarfs können getätigt werden. Auch moderate Bewegung an der frischen Luft ist unter Umständen förderlich für die Genesung.

Hat der Arbeitgeber berechtigte Zweifel an der Glaubwürdigkeit seines Arbeitnehmers, muss er eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht akzeptieren. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn der Beschäftigte im Vorfeld mit einer Arbeitsunfähigkeit gedroht hat oder während der Krankschreibung beim Arbeiten gesehen wird. Dann kann der Arbeitgeber eine Untersuchung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen veranlassen.“

Abschließend warnt Kanders vor einem Missbrauch der Arbeitsunfähigkeit, die unter Umständen eine fristlose Kündigung nach sich ziehen kann, Im Übrigen schützt auch eine Krankheit nicht generell vor einer Kündigung. „Bei einer Häufung von Kurzerkrankungen in einem Kalenderjahr oder bei einer Langzeiterkrankung, bei der nicht mit einer Heilung innerhalb von 1,5 Jahren gerechnet werden kann, ist eine arbeitgeberseitige Kündigung nicht ausgeschlossen.“

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