Einigung in der M+E-Tarifrunde 2018: Verhandlungspartner schaffen ein modernes Arbeitszeitsystem.

06.02.2018 EUV sieht Planungssicherheit für Essener M+E-Betriebe

Essen. Der Essener Unternehmensverband (EUV) begrüßt, dass heute Nacht in Baden-Württemberg ein Tarifabschluss für die M+E-Industrie erzielt wurde. EUV-Hauptgeschäftsführer Ulrich Kanders befürwortet vor allem die neu geschaffenen Möglichkeiten für eine erhebliche Steigerung des Arbeitszeitvolumens. „Der Anteil der Beschäftigten, die länger als 35 Stunden arbeiten dürfen, wurde deutlich ausgeweitet - teilweise auf bis zu 50 Prozent. Gleichzeitig ist es den Verhandlungspartnern gelungen, vernünftige Grenzen für die Reduzierung von Arbeitszeiten zu erzielen. Beschäftigte erhalten zwar künftig einen Anspruch, ihre Wochenarbeitszeit befristet auf bis zu 28 Stunden abzusenken. Die Unternehmen können das aber unter bestimmten Voraussetzungen ablehnen, etwa wenn es betrieblich nicht umsetzbar ist“, erklärt Kanders. „Und Anstelle des ursprünglich geforderten Teillohnausgleichs für diese Arbeitnehmergruppe erhalten sie die Option, statt einer allgemeinen Sonderzahlung zusätzliche freie Tage zu wählen“, so Kanders weiter. Den Vertragspartnern sei es im Großen und Ganzen gelungen, ein modernes und flexibles Arbeitszeitsystem zu schaffen.

Der Essener Verband sieht in der vereinbarten Entgelterhöhung um 4,3 Prozent allerdings eine schmerzhafte Kostenbelastung für die tarifgebundenen Unternehmen, vor allem die mittelständischen. „Sollte sich die derzeit gute wirtschaftliche Lage ins Gegenteil kehren, werden unsere Mitglieder noch schwerer als jetzt an den vereinbarten Tabellenerhöhungen zu tragen haben“, gibt Kanders zu Bedenken. Die lange Laufzeit von 27 Monaten schaffe indes zunächst Planungssicherheit. „Wir hätten uns insgesamt einen weniger komplexen Ausgang gewünscht, sind aber froh, dass der Pilotabschluss geschafft ist“, schließt Kanders. Da Gesamtmetall den für Baden-Württemberg vereinbarten Tarifvertrag zur Übernahme in anderen Tarifgebieten empfohlen hat, rechnet der EUV mit schneller Klarheit für seine Mitgliedsfirmen in Essen und ganz NRW. Die Übernahme für NRW soll in der kommenden Woche verhandelt werden.

Die Verhandlungsergebnisse im Einzelnen:

·       Laufzeit des Tarifvertrags: 27 Monate (1. Januar 2018 - 31. März 2020)

·       Erhöhung der Tabellenentgelte um 4,3 Prozent zum 1. April 2018

·       Einmalzahlung für die Monate Januar bis März in Höhe von 100 € (Auszahlung im März)

·       2019 Einführung eines tariflichen Zusatzgeldes ("T-ZUG") in Höhe von 27,54 Prozent eines Monatsentgelts, auszahlbar im Juli; ein weiterer T-ZUG-Bestandteil, ein für alle Beschäftigten identischer Betrag (2019: 400 Euro) kann 2019 und auch in den Folgejahren verschoben, reduziert oder ganz gestrichen werden (dauerhafte Differenzierung)

·       Beschäftigte mit erhöhten privaten und beruflichen Belastungen (Kinder bis 8 Jahren, häusliche Pflege von Angehörigen ersten Grades mit mindestens Pflegegrad 1, Schichtarbeiter ab bestimmter Dauer in Schichtarbeit sowie bestimmter Betriebszugehörigkeit) können statt dem prozentualen Monatsentgelt des T-ZUG auch acht freie Tage wählen (für Eltern und Pflegende maximal zweimal pro Kind und Pflegefall)

·       Anspruch für alle Beschäftigten auf befristete Teilzeit mit Rückkehrrecht in Vollzeit: begrenzt auf 6 bis 24 Monate und Absenkung auf bis zu 28 Wochenstunden; Ablehnung aus betrieblichen Gründen möglich (z.B. Verlust von Schlüsselqualifikationen, Überlastungsquote von zehn Prozent aller Beschäftigten in „verkürzter Vollzeit" bzw. 18 Prozent in Teilzeit insgesamt)

·       Beibehaltung der Quote von maximal 18 Prozent Beschäftigte, mit denen 40-Stunden-Verträge vereinbart werden dürfen

·       Möglichkeit einer Quotenanhebung auf 30 Prozent per Betriebsvereinbarung, wenn ein Fachkräftemangel nachgewiesen werden kann (bisher nur durch freiwillige Betriebsvereinbarung zur Begrenzung des Einsatzes von Zeitarbeit möglich)

·       Möglichkeit einer Quotenanhebung auf 50 Prozent („Strukturquote") für Technologiebetriebe per Betriebsvereinbarung, wenn im Betrieb mind. 50 Prozent der Beschäftigten in der Entgeltgruppe 12 (bisher: EG14) oder höher eingestuft sind; Widerspruchsrecht des Betriebsrates bei allen drei Quoten, bei 18-Prozent-Quote erst, wenn diese um vier Prozentpunkte überschritten ist

·       Möglichkeit für die Betriebe, statt einer Quotenregelung auf ein Modell eines „kollektiven betrieblichen Arbeitszeitvolumens" zu wechseln; Festlegung dieses kollektiven Volumens auf durchschnittlich 35,9 Stunden pro Woche (ergibt sich aus 18 Prozent 40-Stünder und 82 Prozent 35-Stünder); Wechsel auch aus Quotenmodellen 30 & 50% möglich (kollektives Volumen dann 36,5 bzw. 37,5 Stunden); Effekt: Jeder Teilzeitbeschäftigte eröffnet Möglichkeit für zusätzliche 40-Stunden-Verträge (Bsp.: Ein Teilzeiter 20h (15 Stunden weniger) ermöglicht 3 zusätzliche 40-Stünder (3 x 5 Stunden mehr); Widerspruchsrecht des Betriebsrats auch bei Überschreitung des kollektiven Volumens

·       Betriebe, die mit der heutigen Quotenwelt gut leben können, können Verbleib in der "alten Tarifwelt" erklären

·       Möglichkeit für die Betriebe, im Einvernehmen mit dem Betriebsrat aus Zeitkonten bis zu 50 Stunden pro Jahr per Auszahlung auszubuchen (entspricht rechnerisch pro Woche gut einer Stunde mehr Volumen)

·       Tarifliche Rahmenregelung für freiwillige Betriebsvereinbarungen zu „mobilem Arbeiten"

·       Ein zusätzlicher Freistellungstag für Auszubildende vor Prüfungen

·       Selbstverpflichtung zur Modernisierung und zeitgemäßen sowie rechtssicheren Anpassung der sechs bestehenden Manteltarifverträge in Baden-Württemberg mit dem Ziel, sie in einen einheitlichen Manteltarifvertrag für alle drei Tarifgebiete zu überführen

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