500 km Stau, volle Bahnen, verspätete Busse

10.10.2017 EUV: Wegerisiko des Arbeitnehmers bei höherer Gewalt

Essen. Am heutigen Vormittag gab es in NRW zeitweise über 500 Kilometer Stau – Rekord in diesem Jahr. Die Bahnen waren überfüllt und innerstädtische Baustellen stellten für Pendler und ÖPNV-Nutzer ein weiteres Hindernis dar. Was bedeutet das für Arbeitnehmer, die ihren Dienst deshalb nicht pünktlich antreten konnten? Grundsätzlich ist es Sache des Arbeitnehmers, wie er von seiner Wohnung zur Arbeitsstelle gelangt. Er trägt das Wegerisiko. „Gelangt ein Arbeitnehmer infolge schlechten Wetters, eines Staus oder Ausfalls von öffentlichen Verkehrsmitteln zu spät oder überhaupt nicht zur Arbeit, so ist er grundsätzlich verpflichtet, die ausgefallene Zeit nachzuarbeiten“, weiß Rechtsanwalt Ulrich Kanders vom Essener Unternehmensverband (EUV). „Ist dies aus arbeitsorganisatorischen Gründen nicht möglich, so muss der Arbeitnehmer eine Kürzung des Lohns hinnehmen, die dem zeitlichen Arbeitsausfall entspricht. Eine Möglichkeit wäre es aber auch, dass bei erheblichem Zeitausfall einvernehmlich der Jahresurlaub entsprechend reduziert wird. Eine Lohnkürzung würde dann nicht in Betracht kommen“, so Kanders.

Wenn im Unternehmen ein Arbeitszeitkonto geführt wird, können die ausgefallenen Arbeitsstunden als Minusstunden verbucht und später mit Plusstunden verrechnet werden.

Grundsätzlich gilt beim Wegerisiko: Die Verzögerung auf dem Arbeitsweg gilt als vorhersehbar, wenn sie mindestens 24 Stunden vorher bekannt oder erkennbar ist. Zum Beispiel bei angekündigten Straßensperrungen oder Gleisarbeiten. Dann muss der Arbeitnehmer alles Zumutbare tun, um pünktlich bei der Arbeit zu sein – zum Beispiel morgens früher losfahren oder notfalls auch ein Taxi nehmen.

„Es ist für Arbeitgeber und -nehmer immer ratsam, miteinander zu reden. So lassen sich oft einvernehmliche Lösungen finden: Die Mitarbeiter könnten beispielsweise die verlorene Zeit an einem anderen Tag nacharbeiten oder ggf. auch einen Homeoffice-Tag einlegen“, rät Kanders abschließend.

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